Anfangs ging es bergab, dann durch den Wald bis zu einem Schild: "Mountainbike - Schiebestrecke" ein schmaler Kiesweg führte steil nach oben. Da komme ich nicht hoch. Der Wagen war allein schon zu breit. Zudem der Weg zu steil, auf Kies, unmöglich. Also weiter hoch zur Straße. Die Steigung war auch nicht ohne, doch mit Pausen machbar. Allerdings war die Straße wieder äußerst stark befahren. Viele LKW's, Reisebusse und dicke Wohnwägen schlängelten sich die kurvenreiche Straße hoch. Einmal hupte ein Autofahrer hinter mir, er hatte nach einer kurve wohl etwas aprupter bremsen müssen. Verärgert blickte er beim Überholvorgang zu uns herüber. Ich lächelte und winkte freundlich. "Das ist gefährlich hier!" rief er dann etwas milder. "Ja, nicht schön, aber geht nicht anders, ich muss hoch." meinte ich. Was den Aufstieg noch erschwerte war die Tatsache das die Kette immer wieder hakte. Bedeutet mitten im schweren Aufstieg lassen sich die Pedale nicht weitertreten. Man muss sehen das man nicht aus dem Gleichgewicht kommt und den Hang zur Rechten runterfällt (wie ein Jogger zwei Tage zuvor) und geistesgegenwärtig genug sein um die Pedale im Leergang kurz zurück zu treten, um die Kette zu befreien, ehe der Schwung aus ist und man absteigen und bremsen muss oder rückwärts rollt. So ging es alle ein- zweihundert Meter. Es folgten noch ein paar enge Kurven und dann ein T u n n e l ! Kurz zuvor ein Andenken an einen Trucker der hier ums Leben kam. Der Tunnel war eng und ging um die Kurve. Ich hatte gerade meine Rücklichter aktiviert da brauste ein Auto mit gut hundert Stundenkilometer durch den Tunnel. Er benötigte teilseineinhalb Fahrstreifen - und es gab nur einen pro Richtung. Die Reifen quietschten und qualmten beim Lenken. "So ein Verrückter! Mal sehen ob ich ihn am Ende liegen sehe." Ich schätze die Geschwindigkeit seines Wagens auf gut hundert, da sechzig geboten war und er etwa doppelt so schnell fuhr als alle anderen. "So einer hinter mir, oder einer der stark beladenenen LKWs mit sechzig um die Kurve und man kann uns hier auch ein Kreuz aufstellen." Nach längerem Zögern betatigte ich das orange Notruftelefon vor dem Tunnel. "Hallo, ein Notfall haben wir hier noch nicht, aber die Situation ist äußerst ungünstig." begann ich zu erklären. "Ich schicke ihnen einen Streifenwagen, der geleitet sie durch den Tunnel." - So kam es dann. Doch hinter dem Tunnel sollten noch zwei sich auftun. So bestanden die Beamten darauf das ich den Wagen hochbefördern lasse, oder zurückfahre und die Route durch die Schweiz nehme. (Diese wollte ich ursprünglich auch nehmen, doch die Beschilderung war für meine Begriffe ungenügend so war ich hier.) Nachdem ich mich drei Stunden aufwärts gemüht hatte wollte ich nicht wieder umkehren, käme ich noch dazu in ärgster Mittagshitze erst am anderen Pass an, wenn überhaupt. Was bedeutete außer Energie auch noch ein weiterer Tag verloren. Doch für einen Abschleppwagen wollte ich auch nicht zahlen. "Vielleicht hat die Gemeinde noch einen Hänger." meinte einer der hilfsbereiten Beamten. Tatsächlich kam einer. Wir luden Wagen und Rad zu viert auf und fuhren motorisiert und sicher durch die zwei letzteren Tunnel. Diese waren noch enger und kaum beleuchtet. - Radler dürfen dort zwar fahren, doch es ist selbst ohne Anhänger leicht lebensgefährlich. "Wenn ihr mich fragt braucht es unten am Waldrand ehe man die Straße hochkommt ein Schild 'Vorsicht enge Tunnel'" meinte ich. Einer der Beamten lachte, ja wir werden eines aufstellen. "Irgendwie glaube ich ihnen nicht ganz." meinte ich. In mir reifte die Idee mit Jugendlichen einmal Wege besser zu beschildern - doch alles kann man auch nicht machen, vorerst ist das Sizilien-Projekt vorrangig.
In Nauders, dem nächsten Ort besah sich ein netter Mechaniker kurz meine Gangschaltung. "Die Sachsritzel vorne passen wohl nicht ganz mit den Shimano von hinten. Mit großer Belastung wird das mit der Zeit schlimmer. Kann ich jetzt nichts machen. Sachs gibts eigentlich schon lang nicht mehr für Mountainbikes." - "Das ist doof." - "Ja, sehr doof. wobei es zumindest erst einmal nicht mehr viel bergauf geht. Vielleicht findest du später ein Radelgeschäft mit Tourenräder, die haben evtl. noch Sachsritzel. Oder ein Schlosser der dir die Spitzen der Ritzel etwas abrundet. Ich bedankte mich und fuhr noch etwas weiter bis zum "Restaurant und Hotel Bergblick" Dort bekamen Phönix und ich Spagetthi Carbonara und ein Wasser bzw. kühles Radler. - So gestärkt kann es nun weiter gehen. Nach Italien!
Ach ja, die Stahldeichsel macht mir seit heute auch Sorgen. Der Lack ist an den gebogenen Stellen abgeblättert, zeugt von Bewegung, der Wagen liegt auch wieder ein gutes Stück tiefer vorne als zu anfangs. Deutliches Zeichen größerer Bewegung. Zudem knarzt die Deichsel manchmal ein wenig. Muss abwärts unbedingt mit Helm fahren. Wenn die Deichsel bricht bremst mich der Wagen abprupt. Wollen wir hoffen das sie noch ne Weile hält, war ja schon eine energie- & zeitraubende Angelegenheit, der zweimalige Wechsel. - Aber alle guten Dinge sollen ja drei sein. Mal sehen.
Während ich meinen Bericht schrieb, mit freundlicher Unterstützung vom vermeintlichen Chef des Hotels "Bergblick", verließ selbiger das Haus. Es war nunmehr noch ein etwas grimmiger, missmutiger älterer Herr anwesend. Er bediente mehr schlecht als recht zwei ankommende Motorradfahrer. Sie waren schon im Begriff wieder zu gehen als die Kommunikation doch noch einigermaßen klappte und sie noch etwas zu essen bekamen. Zu der GoPro-Kamera und dem Akku des Camcorders an den Steckdosen der Bar meinte er: "Ah, das ist also dein Klump!" Ich entgegnete es sei kein Klump, mir wurde erlaubt es dort zu laden, doch wenn es ihn störe würde ich es entfernen. "Hmm." meinte er daraufhin. Als ich nun gerade dabei war den Bericht des Tages abzuschließen ging der Akku des Notebooks auch noch zuneige. Daraufhin ging ich in den Raum wo der junge Chef meinte das auch Internetemfpang sei und zudem die Möglichkeit das Notebook anzuschließen. - Kurz darauf betrat der alte Herr den Raum. "Was manipulierst du hier herum?!! Mach das du verschwindest!!" - Ich versuchte ihm die Situation zu erklären, vergebens. "Ich ruf die Polizei! Oder hau dir gleich eine runter wenn du nicht abhaust." ...
Wäre lustig gewesen wenn er die Polizei gerufen hätte, waren gleich 200 Meter weiter, bei einer mobilen Radarkontrolle, die zwei Helden vom Mittag.
"Jetzt ist der immer noch hier!" meinte der eine lachend.
"Bist aber nicht weit komma. Bei der Geschwindigkeit bist ja nächstes Jahr noch unterwegs."
Es folgen noch ein paar Scherzeleien. - Die waren mittags schon gut drauf. Beim Abladen zerschnitt einer die Halteseile. "Oh, jetzt hab i dir versehentlich nen Platten gmacht." - Ich war einen Moment erschrocken, dann lachte er.
Ehe wir uns zum zweiten Mal verabschiedeten erklärten sie mir noch den Weg über die Grenze. - "Am See kannst gut übernachten." - "Gute Reise!"
Es ging noch ein wenig steil bergauf, bis endlich die ersehnte Grenze ersichtlich war.
Im Niemandsland, zwischen den Grenzen, mähte ein Bauer einen 45 Grad steilen Hang. Ein lustiger Anblick.
ITALIEN! JUCHU!! Bella Italia!
Ich radel an ein paar freundlichen Bauern vorbei. Wir unterhalten uns kurz über das Projekt. Dann gehts weiter, es beginnt bereits zu dämmern als ich an den See gelange. Bei einer Baustelle muss ich den Wagen noch einmal umtragen, ansonsten komme ich reibungslos voran.
Schnell gelange ich an ein schon optisch sehr beeindruckendes Restaurant. Noch mehr beeindrucken mich die Kochkünste des Küchenchefs. Der Hirsch schmeckt vorzüglich! Ein Dank für diese edle Spende!
Phönix erhält noch eine ganze Schüssel mit Knochen.
Gut gestärkt geht es auch im Dunkeln gut weiter. Der Radweg ist gut befahrbar und breit, zudem herrscht eine angenehme Temperatur. So fahre ich ein gutes Stück, durch ein massives Geländer gut vom motorisierten Verkehr geschützt. - Auch wichtig, fahren doch viele schwere LKWs und Busse auch noch in der Nacht. Als vor mir etwas im See aufleuchtet mindere ich die Geschwindigkeit. Es ist der berühmte Kirchturm im See von dem Dorf das dort vor einigen Jahren versenkt wurde. Auch in der Nacht ein beeindruckender Anblick. Ich beschließe mein Nachtlager dort aufzuschlagen. Der Weg ist hier besonders breit, so das ich auch noch in der früh niemanden behindere.
Gerade als ich in den Wagen steigen möchte mindert ein Auto die Geschwindigkeit und dreht um. Carabinieris. Ich grüße freundlich. Einer steigt aus. Ich erzähle ihm von unserem Projekt, worauf er "Alles Gute!" wünscht.
Kaum sind die Carabinieris abgefahren, rauscht eine Sternschnuppe vom Himmel. Mein Wunsch wird nicht verraten, vielleicht könnt ihrs euch denken.






