Demnächst findet man hier interessante & spannende Abenteuer-Tagebücher von Reisenden.
Wer gerne & viel draußen wandert und anderen seine Erlebnisse mitteilen möchte, kann dies hier tun.
Vorab ein kurzer Vorgeschmack meiner Wanderung von Catania nach Tindari.
Liebe Abenteurer und solche die es werden wollen,
heute möchte ich euch etwas von meiner letzten längeren Wanderung erzählen.
Letzten Frühsommer flog ich mit einem Ziel nach Sizilien: Ein Stück Land für den EAeV.
Dank großzügiger Sponsoren können wir ein gigantisches Projekt auf Sizilien verwirklichen!
Ich kannte Sizilien zwar schon 15 Jahre, doch vor solch einer großen (Kauf-)Entscheidung
wollte ich noch einmal 200 KM die Küste entlang wandern. Von Catania nach Tindari.
Auf meiner Reise begleitete mich wie immer mein Dobi Phönix.
Am ersten Tag legten wir einen Gewaltmarsch hin, gute 30 KM,
ich mit 25 Kilo Gepäck, Phönix mit 5 Kilo Futter im Hunderucksack.
Aus Catania waren wir recht schnell draußen. Begleitet von Luca,
einem sympathischen Sizilianer spontan ein gutes Stück mit uns wanderte.
Auf dem Weg genoßen wir die saftigsten Orangen, Sonne, Strand & Meer...
Am späten Nachmittag verabschiedete sich Luca und lief zurück nach Catania.
Phönix wanderte mit mir noch bis tief in die Nacht hinein - den Berg hinauf.
Erst in Acireale fanden wir ein abgelegenes Plätzchen wo wir Schlafen konnten.
Todmüde aber überglücklich fiel ich in tiefen Schlaf kaum das das Zelt stand.
Gegen acht Uhr morgens rappelte ich mich aus dem Zelt.
Meine Füße waren als erstes wach wobei sie gerne Tage geruht hätten,
doch sie sendeten ein deutliches Signal ans Gehirn – SCHMERZ!
Ein Blick verriet mir, die Blasen zu zählen lohnte sich nicht. Zu viele.
Mochte es garnicht genau wissen, wie viele.
Da meine Blasenpflaster zudem Anzahl und Größe nicht genüge kamen,
gabt es nur eine Möglichkeit: ignorieren und auflaufen.
Geistig werde ich auch wach - als ich merke das wir auf einem Schulhof waren!
Neugierig umringten die ersten eintreffenden Schüler uns & unser Zelt.
Rasch packte ich alles zusammen - ehe ein Hausmeister oder Lehrer kam.
Dabei durfte ich viele Fragen beantworten, woher wir kämen, wohin wir gingen...
In der Schulkantine bekam ich noch ein gutes sizilianisches Frühstück,
dann verabschiedete ich mich von den Schülergruppe die uns umringte.
Die waren ganz begeistert von Phönix seinen Satteltaschen...
Auf dem weiteren Weg spürte ich die Blasen erst so richtig - mit jedem Schritt mehr.
Hatte nun mehr Blasen als Zehen... Weil ich es auch wieder übertreiben musste.
Erst verleitete die Landschaft zum Laufen, dann die Suche nach einem Schlafplatz...
SCHMERZ!!! ...Ich muss an die "Verrückten" denken die auf Pilgertouren Stacheln
in ihren Schuhen tragen um Jesus näher zu sein. "Was die können kann ich auch!"
denke ich und laufe weiter...
...später traf ich einen netten Bauern der mir erfrischende Orangen schenkte,
bei einer Tankstelle durfte ich Mittags meinen Hund abduschen, so das er nicht überhitzte,
dann ging es endlich wieder einen schmalen Kiesweg abwärts dem Meer entgegen.
...bis ich schließlich zu einem kleinen Dorf kam. Vor der Kirche stand ein Wasserspender
Phönix trank begierig, anschließend ich. Wasservorräte aufgefüllt, Hut und Kopftuch getränkt
und Katzenwäsche durchgeführt während Phönix im Schatten dösen konnte.
Ein älterer Senior sah uns freundlich an. Ich lächelte zurück, wir unterhielten uns.
Derweil kamen Jugendliche vorbei und versuchen Phönix mit Bellgeräusche zu reizen
zudem schmissen sie Abfall durch die Gegend. Ich ging auf sie zu und fragte ruhig:
"Wieso werft ihr das denn nicht in den Mülleimer dort?"
Erst schauten sie mich an wie Schafe, dann reagierten sie
mit einer Gegenfrage: "Cane morte?" - "Ist der Hund gefährlich?"
"Nein, wenn ihr ihn nicht beißt macht er euch nichts." ;-)
Sie lachen. - "Und jetzt hebt bitte den Müll auf."
Sie werfen den Müll in den Eimer.
Das sprach sich im Dorf unter den älteren Senioren schnell herum.
Ein Fremder mit großem Hund, Rucksäcken & Umwelttbewusstsein.
Immer mehr kommen herbei, junge und alte, schließlich der Pfarrer.
Wir führen gute Gespräche, es wird immer später und später und dunkel.
Sie laden mich ein zu bleiben, ich lehne dankend ab. Sie bestehen darauf.
...Also übernachte ich im Haus der Kirche...
Am nächsten Tag Morgen saß ich gerade an meinem Frühstück, letzte Ration,
als mich Angelo zum Mittagessen einlud. "Du musst, meine Frau besteht darauf!"
...Sie bestanden auch darauf das ich noch einen weiteren Tag blieb...
Frisch gestärkt ging es am dritten Morgen weiter.
Angelos Frau kullerte eine Träne beim Abschied.
"Willst du wirklich laufen? Die ganze Strecke?"
"Ja." ..."Dann ruf an wenn du heil angekommen bist!"
Zehn Kilometer weiter am Meer entlang war ich schon nicht mehr frisch,
aufgrund einer unbeschilderten Sackgasse leidige, unnötige KM gelaufen,
mit 25 Kilo auf dem Rücken, die Sonne brannte herab. Die Lust sank.
...Da kommt ein Mann auf dem Motorrad, es ist "Torre" (Salvatore)
da er nicht mitbekam als ich das Dorf verlies hatte er mich gesucht.
War alle Straßen abgefahren bis er mich fand. Einen Menschen,
den er vor zwei Tagen noch nicht kannte. Er lächelte herzlich.
Da kam mir beinahe eine Träne. "Pass gut auf dich auf!"
Das tat ich. Neun Tage später kam ich auf Tindari an.
Auf dem Weg hatte ich viele weitere herzensgute Menschen getroffen,
hatte Momente voller Leben, Momente der Stille nur mit Phönix am Strand,
viele Eindrücke aufgenommen und positive bis spannende Abenteuer erlebt.
Am Ende fand ich auch ein Stück Land das perfekt zum Erlebe Abenteueuer e.V. passt.
36.399 qm Land, ein "Berg" mit Meerblick - man sieht auf einen der schönsten Strände herab
zudem auf die sieben Äolischen Inseln, kann dabei dem Vulcano beim Rauchen zusehen.
Von der sonnigen Tour konnte ich noch Monate zehren. Bis weit in den Winter.
...Nun plane ich gerade meine Radtour von München nach Sizilien. Vorgenommen habe ich es mir seit Jahren.
Vor meinem 30sten wollte ich runterradeln. Und da ich im August 30 werde - bleibt mir ja nur noch dieser Frühling.
Im Frühsommer bauen wir auch schon weiter auf unserem Berg.
Mit abenteuerlustigen Grüßen,
Christian Spang
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Vorerst findet man auf Facebook Fotos der Wanderung von Catania nach Tindari.






