Eigentlich wollte ich ja bereits um 5 Uhr los, doch einmal wurde es beim Löwen noch etwas länger und zudem merkte ich in der Früh das der zweibeinige Fahrradständer welchen ich extra noch erworben hatte am abfallen war. Ich hatte an sich zwar das nötige Imbuswerkzeug dabei, doch in Form von kompaktem Radwerkzeug. Mit diesem kam ich nicht an die Schraube, da die Gangschaltung sich direkt darüber befand. So blieb mir nichts anderes übrig als zu warten bis das Personal vom Löwen tätig war.
Die Zeit vertrieb ich mir damit meine Klamotten im Bach hinter der Kirche, wo ich auch geschlafen hatte, zu waschen. Das Wasser war erfrischend. So erfrischend das ich nach der Wäsche dachte meine Füße wären Eiszapfen. Gut für die Durchblutung.
Im Löwen gabs natürlich einen Satz Imbusschlüssel gleich griffbereit. War sicher nicht der erste Radler mit derartigen Problemen. Ein Paar Tage zuvor hatte ich selbst mein Werkzeug verliehen.
Mit dem 6er Imbusschlüssel vom Löwen konnte ich rasch den Ständer fixieren. So hätte ich losstarten können, wäre nicht zwischenzeitlich eine SMS eingegangen. Ana und Maria die zwei Lehrerinnen der Montisorischule aus Dietramszell wollten mich gegen zehn besuchen kommen. Halb zehn war es bereits und beim Löwen erschien mir ein besserer Treffpunkt als auf der Straße.
Derweil frühstückte ich zwei Semmeln im Löwen und cremte anschließend Phönix noch einmal die Pfoten mit Bienenwachs ein und bandagierte seine Aufschürfungen. Heute wollte ich noch einmal die Schuhe ausprobieren. Bis nach Sizilien ohne würde die Tour noch weiter erschweren.
Als Ana und Maria eintrafen hatte ich gerade neue Zecken bei Phönix entdeckt. Wo er die nur immer herbekommt. Diesmal zählte ich zwanzig Stück. Wieder so winzig Kleine. Sie erhielten eine Feuerbestattung. - Dann ging es los.
Nach 300 Meter setzte Phönix einen Haufen auf die Straße. Gut das ich Tüten griffbereit hatte. - Eigentlich hatten wir vorher noch eine kurze Runde gedreht, doch sie war wohl zu kurz gewesen. - Weit und breit kein Mülleimer, so lagerte ich die Tüte zwischen meinen Fahrradtasche. - Wenn ich nicht schnell genug in die Pedale trat stieg mir der Geruch in die Nase. => Ein Antrieb. ;-)
Es ging steil bergauf, den Fernpass hoch, doch Ana und Maria motivierten mich während sie auf dem Motorrad neben mir fuhren, bzw. voraus und wieder zurück zur Lagebeschreibung. Dabei filmten sie auch um die verrückte Tour für die Nachwelt festzuhalten. Sonst glaubt ja keiner das man so etwas wirklich bringt.
Nach mehreren hundert Höhenmetern ging es endlich wieder abwärts. So steil und lange das ich drei Pausen machen musste um die Felgen abkühlen zu lassen. Am Ende quietschten die Bremsen schon bedenklich, doch ein Schild sagte mir nach 500 Meter erreiche ich die nächste Raststätte.
An der Raststätte "Am Schloss" (- oder so ähnlich, genauer Name wird nachgereicht) erhielten wir Bratwürste mit Pommes und zum Nachtisch Apfelstrudel gesponsert. Wir unterhielten uns noch ein wenig über Sizilien, die Tour, das Projekt der Montisorischule, mit Jugendlichen ein praktisches Jahr auf dem Bauernhof, dann fuhren die beiden zurück und ich weiter abwärts. In der Entfernung blitzte es.
Bei Nassereith (- oder so ähnlich) kamen vereinzelt Regentropfen. "Nass-ereith", wie passend, dachte ich. In der Hoffnung abwärts mit 25 Stundenkilometer dem Gewitter zu entkommen fuhr ich weiter. Dann kam es so richtig dicke. Es hagelt sogar! Und ich war mitten in der Pampa, kein Ort in der Nähe. Gerade noch erreichte ich eine Unterführung, wo die Bundesstraße drübergeht. Dort harrten wir aus. Es schüttete so heftig, das das Wasser in der Unterführung immer mehr anstieg. Die zwei Kanaldeckel konnten gar nicht so schnell so viel aufnehmen. Ich dachte daran wie mein Opa einmal in einen überschwemmten Tunnel gefahren war und fast steckenblieb.
Mit der Zeit wurde es kühl. Phönix lag im Wagen und schlief. "Der hat es gut!" dachte ich. "Hmm, wenn ich vorsichtig in den Wagen steige, gleich mit dem Schwerpunkt in der Mitte, geht es vielleicht ohne die Beine auszufahren. Es ging tatsächlich, wenn auch etwas wackelig. Ich döste noch so ein Stündchen vor mich hin, bis drei Autos die recht schnell in den Tunnel einfuhren mich aufschreckten. "Kein guter Platz um zu bleiben." Also Regenklamotten raus und los. Es war eine angenehme Strecke, immer noch abwärts, neben der Bundesstraße auf einem geterten Weg. Dann kam eine kleine Steigung und ein Wegweiser für die "Via Claudia Augusta" nach rechts, weg von der Bundesstraße, weg vom geterten Radweg auf Kies. Bei dem Regen und Nebel wollte ich nicht auf die Bundesstraße, also gings auf dem Kiesweg weiter. "Immerhin ist er ebenerdig." - Doch nicht lange. dann gings immer wieder aufwärts und in den Wald. Es wurde immer anstrengender und ich musste öfter schieben, doch die unberührte Natur vermittelte mir den Eindruck wie es damals bei den Römern war und entschädigte mich für die Strapazen. So ging es ein paar Kilometer durch den Wald, bis ich an eine Schranke gelangte. Diese war mit einem Schloß gesichert. Daneben eine kleine Türe die von einem Pflock nach etwa 95 Zentimeter blockiert wurde. Was ich auch anstellte der Wagen kam nicht hindurch. Es wurde bereits dunkel, daher nächtigte ich vor der Schranke, in der Hoffnung in der früh käme ein Förster vorbei.






