Am nächsten Morgen packe ich leise meine Sachen zusammen, kaum einen Kilometer weiter treffe ich einen netten italienischen Rad-Seniore, er erklärt mir einen guten Weg nach Calabrien und dann nach Sizilien. - Es schadet nicht sich mehrere Infos einzuholen, besonders von Radfahrern.
Die kommende STrecke ist sehr schön, stets am Fluß entlang, aber fünfzehn Kilometer keinen Schatten!
Nette Leute fahren vorbei, bzw. halten kurz, wünschen Glück und wollen Infos.
Trinken, Körper benetzen, Radeln, Pause... 15 Kilometer die Stunde im Durchschnitt.
An einem schönen schattigen Platz mache ich nach 25 - 30 Kilometern halt und esse die übrigen Marillen vom Vortag. Sogar einen Wasserhahn gibt es dort - ich erfrische mich und fülle unsere Vorräte auf. Dann geht es weiter.
Wieder vom Radweg abgekommen - die Beschilderung und meine Konzentration lassen teils zu wünschen übrig. Ich behaupte es liegt mehr an der teils unzureichenden Beschilderung. - Ich gerate auf die Hauptstraße, viel Verkehr. Endlich ein Schild: "Trento 12 Kilometer" - "JA! - Hunger!" - Bisher an dem Tag nur zwei Müsliriegel und ein paar Marillen gegessen. "Trento 11 Kilometer" Motiviert radel ich weiter, auch wenn es bergauf geht. Meine Beine werden trotz Motivation müder und müder. "Trento 12 Kilometer" ?! Die Italiener und ihre Entfernungen! Dann kommt auch noch Gegenwind hinzu. So stark das ich kaum von der Stelle komme, alle zwei- bis fünfhundert Meter muss ich eine Pause einlegen. "Trento 8 Kilomter" Okay, doch ich brauche JETZT etwas zu essen, sonst klappe ich zusammen. - Der Chef eines Supermarktes sieht den Wagen und bringt uns von sich aus zwei riesige Pizzen! Wollte eigentlich nur einen kleinen Snack einlegen, doch Phönix verschlingt seine Pizza mit Wonne, auch mir tut die Pizza gut.
Gestärkt geht es weiter, dennoch langsam, müde Beine, schwerer Magen, starker Gegenwind und steil Bergauf... 500 Meter weiter die nächste - willkommene - Gelegenheit für eine Pause, ein Radgeschäft. Dort kann ich den Zweibeinständer nachziehen, er war bereits wieder sehr locker.
Schließlich erreiche ich Trento und frage mich durch zur Via Claudia Augusta.
Ich möchte gerade mein Gefährt über eine Brücke schieben, da kommen zwei Autos voller junger Typen und Bierdosen. - Der erste Eindruck: Wilde Typen! Draufgänger die heute noch einen gehörig drauf machen wollen! - Einer steigt aus und reicht mir direkt eine Dose. Eine kühle kleine Dose kann ich nicht ablehnen. Während ich trinke beantworte ich seine Fragen zum Gefährt und Sizilien-Projekt. Er meint zu den anderen sie sollen ohne ihn weiter fahren, er würde mir den Weg zeigen. Zuvor schmeißt er noch zwei Dosen in den Wagen - Wegzehrung. Dann schiebt er hilfsbereit mit an, obwohl ich dankend ablehnte.
Es geht noch ein Stück auf kleinen Straßen bis zu einem Park. Dort sind zufälligerweise seine Kollegen von vorhin und noch etwa 30 weitere - eine Party! Dann sind die Dosen auch besser dosiert, denke ich. Ich werde bedient ohne gefragt zu werden, ständig reicht mir einer einer Semmel mit frisch gegrilltem Fleisch und / oder etwas zu trinken. Zuvor hatte mir Danielle, der hilfsbereite junge Italiener (22 Jahre) eine Tüte mit Semmeln, Knabberzeug und Bier in die Hand gedrückt. "Wegzehrung." Die Party war echt super, die Leute umwerfend freundlich und gut gelaunt. Danielle wollte mir noch 20 Euro für unser Projekt spenden, doch ich lehnte entschieden ab. "Dann helf ich euch." Er will im September nach Sizilien - radeln.
In der Nacht regnet es - zum Glück! Erfrischend!






