• Full Screen
  • Wide Screen
  • Narrow Screen
  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size

Tag 3

 

Ana, die Lehrerin welche mich beherbergte, also in deren Garten mein Wagen stand fuhr in der Früh zu ihrem Bekannten, während ich mich abreisefertig machte. Leider kam sie ohne Deichsel zurück. "Dauert noch ein wenig." meinte sie. So fuhr ich erst einmal ohne weiter, sie wollte mich bei Zeiten mit Deichsel einholen. "Was du an einem Tag fährst fahr ich ja mit dem Auto in einer Stunde." meinte sie grinsend. - Das stimmte wohl, auch noch ohne große Anstrengung, doch die Freude die ich in den darauffolgenden zwanzig Kilometer bis zur Mittagspause hatte erfüllt einen eben nur beim langsamen Reisen.

Da es die meiste Zeit leicht bergab ging kamen wir recht gut voran. Um 13 Uhr Mittagspause unter einem Baum. Lebensmittelinspektion. Brot und Käse war noch in Ordnung, ebenso die Karotten, wobei schälen nun anzuraten war. Die Tüte mit den hartgekochten Eiern verströmte einen üblen fauligen Geruch, ehe ich sie geöffnet hatte. Phönix kam sogleich herbei nach dem er seine Wasserschüssel begierig geleert hatte. "Ja, das ist nach deinem Geschmack, was." meinte ich. Ich prüfte die Eier, und entfernte die übelsten Stellen, dann warf ich ihm fünf Stück zu. Drei Eier besaßen unversehrte Schalen, so schälte ich sie, roch prüfend an ihnen und verspeiste sie schließlich mit Käsebrot und Karotten.

Kurz vor drei, Wolken ziehen erneut auf. Heute Morgen sah es gar bereits nach Regen aus. Doch die Sonne kam wieder hervor. Da es gestern bereits geregnet hatte war es dennoch angenehmer zu radeln. Und jetzt ist es ebenfalls wieder möglich. Also auf den Sattel!

Kaum das ich in die Pedale getreten hatte fing es leicht an zu nieseln. Da man sich mit Fahrradwohnwagen schnell warm radelt war der Nieselregen recht erfrischend. Weniger angenehm waren die vermehrt auftretenden Steigungen. Nach zwei Stunden traf ich auf einen freundlichen älteren Herren, der von uns in der Zeitung gelesen hatte. Ich nutzte das Treffen für eine kleine Pause, ließ ihn den Wagen begutachten und beantwortete seine Fragen bereitwillig. Er wünschte uns eine gute Reise und meinte noch ich müsste mal nach Indien fahren, dort lebt er die meiste Zeit des Jahres. "Allerdings könnten die indischen Autofahrer so irritiert von deinem Gefährt sein, das sie einen Unfall bauen." meinte er. - "Ja, da gab es hier schon ein paar nicht ganz ungefährliche Szenen. Und zwecks Italien mach ich mir auch Gedanken, gibt es dort doch einige selbsternannte Formula-Uno-Rennfahrer."

Wir kamen noch an einem See vorbei, fuhren durch eine größere Ortschaft, dann durch deren Gewerbegebiet und zurück zur Natur. Phönix war schon etwas laufmüde, daher durfte er im Wagen Platz nehmen. Ich fuhr noch ein Stückchen bis ich an eine größere Steigung gelangte. "Ehe wir die bezwingen gibt's erst einmal etwas zu Futtern." dachte ich und steuerte ein kleines Häuschen an, das mitten in der Natur stand. Vor dem Häuschen befand sich eine Bank auf der ein älterer Herr die herrliche Aussicht genoß. "Kann ich mich zu ihnen setzen?" fragte ich. - "Klar, die Bank ist für alle da." Wir unterhielten uns gut während ich vesperte. Er erzählte von früher wo er oft durch die Wälder gezogen war, oder nächtelang auf einem Jägerstand saß, den Mond betrachtete und die Tiere des Waldes. "Große Rehe oda Böck hab i bisweilen gschossa, hab ja das Jagdrevier pachtet, doch was die Leit heit schießa zwiedert mia a." Auch Hunde und die richtige Erziehung - ohne Prügel - war ein Thema. Sein Vater hatte früher Gezüchtet und Hunde für Adelige und betuchte Herrschaften abgerichtet. Zudem war er Jäger für Thurn und Taxis. Der pensionierte Herr zeigte mir noch einen Wasserlauf wo ich gutes Wasser für den Hund holen konnte, dann verabschiedete er sich. Ich wollte eigentlich weiterziehen, doch Phönix lag so friedlich schlafend da das ich noch wartete. Ganz und gar nicht friedlich waren die Stechmücken. In Scharen verfolgten sie mich. Hatte das tapfere Schneiderlein sieben auf einen Streich erledigt, so habe ich siebzig an einem Abend ins Jenseits befördert. Doch es kamen immer mehr. So holte ich das Mückenmittel hervor welches ich eigentlich für Süditalien aufbewahren wollte. Da ein heftiger Regenschauer plötzlich über uns hereinbrach war an Aufbruch nicht mehr zu denken. Ich baute den Wagen auf und wir gingen früh ins Bett um am nächsten Morgen ebenso früh weiter zu ziehen.

 

Zum vierten Tag.

Follow us on Twitter
Sie befinden sich hier