In der Früh hält ein Radler neben meinem Wagen als ich ihn gerade wieder startklar mache. Er fotografiert den Turm, ich meine: "Ein paar Meter weiter ist er noch besser zu sehen." - So kommen wir ins Gespräch. Ich erzähle ihm wo es hingeht und David, der übrigens als Sozialarbeiter tätig ist - was für ein Zufall - empfiehlt mir einen Weg wenn ich die Via Claudia August verlassen muss. (Alte Römerstraße der ich einige hundert Kilometer aus Deutschland durch Österreich bis rein nach Italien folgen konnte.)
Es folgt ein sehr schöner Weg am See entlang. Nach wenigen hundert Meter treffe ich die erste echte Italienierin. Sie sorgt sich wie eine Mutti um mich und gibt dies auch lachend zu.
Später lerne ich ein italienisches Pärchen kennen, der Mann filmt etwas für unser Projekt, anschließend stellt sich heraus das die Frau mit ehemaligen Prostituierten arbeitet - eventuell ergibt sich ja mal eine Kooperation meint sie.
Kurz darauf noch eine Bekanntschaft, ein nettes Mädel aus Uta, sie ist direkt nach ihrem Schulabschluss für sechs Monate nach Italien um neue Erfahrungen zu sammeln. Zwei Monate davon in Südtirol auf einem Bauernhof. Dabei hat sie sowenig wie ich bedacht das man hier eigentlich kein Italienisch spricht. - Wir gehen ein Stück den gleichen Weg und unterhalten uns gut. Vielleicht kommt sie einmal nach Sizilien auf unseren Bauernhof. Die Chancen stehen umso besser da wir keine Kühe und Schweine halten werden, wie ihre Gastgeber. Sie ist ja sonst sehr naturverbunden aber die Erfahrung reicht ihr erst einmal.
Weiter geht es durch viele kleine Dörfer und über kleine bis mittelgroße Hügel, vorbei an ruhigen Wäldern und Seen. Eine echt schöne Gegend, doch die Steigung wieder einmal nicht ohne. Selbst schuld, hätte mich auch für die einfachere Variante auf der Straße durch "größere" Ortschaften entscheiden können. - Ich komme zwischenzeitlich gut ins Schwitzen und benötige ein paar Pausen, später, als es bergab geht, auch meine Bremsen - doch ich bereue die Entscheidung nicht!
Schließlich komme ich nach Malles, einem größeren Ort.Dort radel ich mit großem Hunger und letzter Kraft in die "Fröhlich Gasse". Nach zwanzig Meter lacht mich das Hotel "Tirol" an. Die Chefin macht der Gasse alle Ehre, trotz voll besetztem Hause und einem Haufen Arbeit läd sie mich ein auf ihrer schönen und schattigen Terasse zu speisen. Später ruhe ich bis nach sechs Uhr da es brutal heiß ist. Der Koch macht mir zwei Mal ein kaltes Getränk mit Sirup und Pfefferminze. Das erfrischt!
Gegen halb sieben radel ich endlich weiter. Bis in die Nacht hinein um noch ein paar Kilometer zu schaffen. Vorbei an vielen Äpfelbäumen - bzw. Feldern, dann lange am Fluß. Es ist schon sehr dunkel, meine Stirnlampe schwächelt bereits, ich bin in voller Fahrt bergabwärts - nachdem ich zuvor fleißig aufwärts gestrampelt bin - in voller Fahrt soweit es mein Gefährt auf Kies zulässt. Bei 25 - 30 Stundenkilometer geht es also bergab, als schemenhaft zu meiner linken auf der Wiese ein Wagen auftaucht. "Noch ein Fahrradwohnwagen?!" denke ich, bin jedoch schon einen halben Kilometer weiter. Doch ich muss umdrehen, sonst frage ich mich für den Rest meines Lebens was das für ein interessantes Gefährt war. So lasse ich Phönix am Wegesradn auf den Wagen aufpassen und laufe zurück.
Es ist kein Fahrradwagen sondern eine richtige, riesige, voll beladene Kutsche! Drei Esel ziehen die Kutsche, doch die schlafen bereits. Ein Mann und seine Frau sowie ein Kind und ein Baby sind noch wach. Sie reisen von Piemont nach Deutschland, so wie man vor zweihundert Jahren reiste. Mehr kann ich leider nicht mehr sagen, habe ihren Flyer verloren. Sehr sympatische Menschen, vielleicht kommen sie uns ja einmal auf Sizilien besuchen.
Eigentlich wollte ich noch bis nach Castellbello, doch die alte Römerstraße wird mit Wagen völlig unbefahrbar, also drehe ich wieder um, fahre ein Stück zurück und lasse mich von meinem Navi auf den Straßen Südtirols leiten. Bis nach "Gold..." (Name wird noch ergänzt.) Dahinter möchte das Navi auf eine Schnellstraße, ich allerdings kurz vor Mitternacht nicht mehr. Also Wagen aufbauen und reinfallen - 60 Kilometer habe ich geschafft! Und bin geschafft!!






